Merhaba! Roadtrip mit Kindern durch Marokko – Part 2

Nachdem wir uns also irgendwo im Nirgendwo gestärkt haben, geht es weiter Richtung Sahara. Vorbei an Wassermelonenfarmen, die rote Erde wird immer sandiger und die eh schon karge Vegetation verschwindet so langsam ganz.

In M´Hamid, einem winzigen Dorf mit nur wenigen Häusern, stehen sie plötzlich an der Seite: unsere Kamele ♥ Diesen Trip haben wir bereits in Deutschland gebucht, da wir Wert darauf gelegt haben, dass diese Wüstentour auch wirklich kindergerecht ist (hier der Link). Neben uns sind nur noch zwei weitere Familien bei diesem Abenteuer dabei.

 

Wir besteigen unsere Kamele, nicht jedoch bevor unser Beduine uns in die Kunst des Turban-Wickelns eingeführt hat, und schaukeln langsam mit unserer Karawane durch den heißen Wüstensand. Die Natur ist atemberaubend und wir genießen den 1 1/2 stündigen Ritt bis am Horizont unser Zeltdorf auftaucht. Natürlich hatte ich eine romantisch verklärte Vorstellung von so einem Zeltdorf (wahrscheinlich habe ich zu oft irgendwelche Luxus-Wüstenzelte in Dubai auf Fotos bestaunt) und bin erstmal enttäuscht. Jede Familie hat zumindest ihr eigenes kleines Zelt – aus Plastik! (Ich dachte, es wären traditionelle Kamelhaarzelte?) Es gibt ein Waschzelt (Häh? Ich dachte, es gibt jetzt einen Tag mal wirklich keine Toiletten und Waschgelegenheit…) und ein großes mit Teppichen und bunten Kissen ausgelegtes Hauptzelt für das gemeinsame Essen. Es gibt sogar tatsächlich Handyempfang!!! Beduinen in der Wüste mit Handy – wo bitte ist das Abenteuer? Das habe ich mir nun wirklich anders vorgestellt!

Den Nachmittag verbringen wir barfuß auf den Dünen, streicheln die Kamele und genießen die Ruhe. Abends dann rufen die Kamelführer ins Hauptzelt, sie haben Tajine auf dem offenen Feuer gekocht. Es schmeckt köstlich und doch wundert es uns ein bißchen, dass die Türen des Zeltes irgendwann geschlossen werden und wir statt des erhofften Lagerfeuers unter funkelnden Sternen drinnen noch Minztee serviert bekommen und die Jungs anfangen zu trommeln und arabische Volkslieder zu singen (ein echtes Highlight!).

So langsam werden wir müde und wollen zu unseren Zelten zurück. Es sei mittlerweile ein „bißchen“ windig draußen geworden, heißt es bevor die Türen geöffnet werden. Ein bißchen? Draußen tobt ein richtiger Sandsturm, ich kann die Hand vor Augen nicht erkennen – geschweige denn weiß ich in welcher Richtung sich unser Zelt befindet. Wer hat sich hier nochmal ein Abenteuer gewünscht?

Mit Hilfe der Kamelführer schaffen wir es alle in unser Zelt, um dort festzustellen, dass der Sand durch alle Ritzen ins Zelt rieselt und der Sturm unermüdlich gegen die Zeltwände peitscht… Natürlich waren wir alle noch nicht auf Toilette und keiner von uns zieht ernsthaft in Erwägung sich noch einmal nach draußen zu wagen – in McGyver Manier schneiden wir kurzerhand unsere leeren Wasserflaschen auseinander und jeder bekommt eine abgeschnittene Plastikflasche als Not-Toilette :o)                                           Als wir endlich in unseren Betten liegen, haben die Kinder Angst und auch der ♥-Mann fühlt sich nicht ganz wohl bei der Sache (im Kopf spielt er schon diverse Rettungsmanöver durch, sollte das Zelt wegfliegen oder wir hier eingesandet werden). Ich jedoch finde es unglaublich toll, endlich mein Abenteuer zu erleben und fühle mich wie ein echter Beduine, der im Einklang mit der Wüste lebt und darauf vertraut, dass alles gut wird. In dieser Nacht bin ich scheinbar die Einzige, die gut und sorgenfrei schläft (wie ich am nächsten Morgen erfahre). Es regnet sogar nachts – REGEN! In der WÜSTE…findet den Fehler.

Doch schon beim Sonnenaufgang am nächsten Morgen zeigt sich wieder die Sonne…langsam geht sie hinter den Dünen auf und vertreibt die eisige Kälte. Die armen Kamele, die dem Sandsturm ja wirklich schutzlos ausgeliefert waren, liegen tiefenentspannt im Sand – sie haben sich nachts einfach Einsanden lassen, während unsere Sättel kreuz und quer verteilt liegen.

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Nach dem Frühstück geht es auf unseren Kamelen zurück in die „Zivilisation“, sofern man diese fast menschenleeren Orte so nennen kann. Weil wir dringend einen Kaffee brauchen, halten wir im nächstgrößeren Ort an und setzen uns in ein Straßencafe. Wir schon gestern, kommt der Besitzer sofort heraus und begrüßt uns mit Handschlag!!! Er erzählt uns, dass die Touristen normalerweise NIE hier anhalten, sie fahren mit den Bussen oder Jeeps in die Wüste rein und einen Tag später wieder heraus in ihre Hotels, niemand traut sich in einheimische Straßencafés Platz zu nehmen. So bekommen nicht nur wir einen wirklich guten Milchkaffee sondern die Kids auch noch selbstgebackenes Gebäck geschenkt – bevor wir den Rest des Tages in unserem Riad (und die Kinder im Pool) verbringen.

Roadtrip Tag 8 – Ouarzazate

Ourzazate ist das Hollywood Marokkos! Hier könnte man – sofern es einen interessiert – Filmstudios und berühmte Filmkulissen besuchen. Wir interessieren uns leider gar nicht dafür und haben diesen Zwischenstopp nur deshalb eingeplant, weil die Rückkehr nach Marrakech an einem Tag definitiv zu stressig gewesen wäre.

So genießen wir die Fahrt durch das 200 km lange Drâa-Tal, das sich wie ein grünes und fruchtbares Band mit großen Palmenplantagen von der Sahara bis zum Atlas Gebirge schlängelt. Die grünen Palmen, die alten Lehmdörfer links und rechts und die Bergmassive, die an die Canyons in Amerika erinnern fügen sich zu einer unwirklichen Landschaft zusammen.

Unterwegs halten wir an Straßenständen an und kaufen wundervolle Korbwaren, die hier im Tal von Hand hergestellt werden. Die Preise sind so günstig, dass wir uns nicht mal mehr trauen zu verhandeln – es würde uns wirklich unwürdig erscheinen und in uns ein schlechtes Gefühl hinterlassen. So muß ich mich also beherrschen, nicht komplett zu übertreiben und begnüge mich mit 9 Teilen, die wir noch irgendwie in den Kofferraum quetschen. Zum Abschied bekommen beide Kinder einen kleinen Mini-Korb geschenkt ♥

Den Rest des Tages verbringen wir in unserem kleinen süßen Riad Maison d´hôtes Dar Farhana – für den Pool ist es an diesem Tag zu kalt, aber die tolle Dachterasse lädt zum Lesen und Spielen ein und abends werden wir von der Besitzerin lecker bekocht.

Roadtrip Tag 9 – Marrakech 

Am nächsten Morgen geht es nach dem Frühstück wieder über das Atlas-Gebirge zurück nach Marrakech. Auch heute halten wir zwischendurch an, als wir eine Mutter mit ihren 4 Kindern am Straßenrand stehen sehen – wir stehen kaum, da öffnen sich die Türen und alle 4 Kinder klettern zu uns und quetschen sich ins Auto…äh ja, dann fahren wir einfach mal zu 8t bis zur Schule im nächsten Dorf :o)

Die Strecke zieht sich – wie bereits auf der Hinfahrt total -, vor allem, da aktuell überall das Straßensystem ausgebaut wird. Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit hinter einem Pickup mit Schafen hertuckern, nutze ich die Gelegenheit als endlich mal kein Gegenverkehr kommt, um zu überholen…Ich muß zugeben, die Spur ist durchgezogen und Überholen verboten, aber das wird doch hier niemand interessieren…tja, was soll ich sagen: Genau in dem Moment als ich überhole sehe ich 10m vor uns eine Polizeikontrolle. Natürlich werde ich rausgewunken und der nette Polizist gibt mir zu verstehen, dass ich zum Einen nicht hätte überholen und zum Anderen vor einer Polizeikontrolle nur Schrittgeschwindigkeit hätte fahren dürfen..hätte, hätte, Fahrradkette…die Strafe soll umgerechnet 50€ betragen. Während der ♥-Mann und ich noch im Auto diskutieren, fragt der Polizist, ob 50€ für uns viel Geld wären. Brav nicke ich und tatsächlich dürfen wir nach einer kurzen Belehrung ohne Strafe weiterfahren. Puhhhh…

Kaum in Marrakech angekommen, fahren wir erstmal zur Autovermietung, um das Auto abzugeben. Aufgrund unseres Gepäcks entscheidet sich der Anbieter jedoch, uns mit dem Auto noch zu unserem Riad fahren zu lassen und bittet uns, ihm einfach hinterherzufahren. Wir passieren kaum den Djema el Fna (ihr erinnert euch, der Platz der Gaukler…und Tierquäler) hält mich schon wieder ein Polizist an. Ob ich denn nicht gemerkt hätte, dass ich soeben über eine rote Ampel gefahren sei…äääähhhm, nein, um ehrlich zu sein, nicht! Er läßt seine Hand in unser Auto hängen und suggeriert uns, dass wir ihm ja aber etwas Geld für einen Kaffee geben könnten, dann würde er die Sache vergessen. Irritiert finden wir im Geldbeutel nur einen Schein (umgerechnet 10 €), drücken ihn dem Polizisten in die Hand und dürfen weiterfahren. Der Fahrer von der Autovermietung bestätigt uns nachher, dass die Ampel definitiv nicht rot war und der Polizist scheinbar sein Gehalt aufbessern wollte (da sind 10€ für ihn nicht gerade wenig, das durchschnittliche Monatseinkommen in Marokko liegt bei 230€ brutto!!!)

Für die letzten Tage haben wir uns ein extra schönes Riad innerhalb der Altstadtmauern ausgesucht. Im Riad Chocolat fühlen wir uns wie Aladin in 1000 und einer Nacht – überall Pflanzen #urbanjungle, bunte Teppiche und farbenfrohe Kissen…unser Zimmer ist unglaublich toll und die Dachterrasse ist ein wahr gewordener Traum. Kein Wunder, dass diese zu unserem Lieblingsort wird.

Roadtrip Tag 10-12 – Marrakech

Die nächsten Tage verbringen wir ganz entspannt in Marrakech…wir erkunden die Stadt ausschließlich zu Fuß, lassen uns treiben, bummeln durch die bunten, nie enden wollenden Souks (handeln und kaufen allerlei schöne Dinge) und landen auf Empfehlung unserer Gastgeberin nochmal in einem tollen Teppich-Laden, in dem wir  zwar keinen Teppich, jedoch für unsere marokkanische Dachterrasse 10 Kissen kaufen (Tapikari – 5, Place Mokef Db. MDAMI). Wer sich mittlerweile zu Recht fragt, wie wir das ganze Zeug eigentlich heim bekommen haben, dem sei gesagt: die Verkäufer sind totale Verpackungskünstler, die jeden noch so großen Teppich irgendwie handlich verpacken können. Wir haben für den Rückflug noch ein zusätzliches Gepäckstück angemeldet, uns eine dieser superschicken Plastik-Tüten in Kofferform (mit denen die Araber ja gerne mal verreisen) am Kiosk verkauft und alles heimbekommen ;o)

Eigentlich hätte ich supergerne den Jardin Majorelle von Yves Saint Laurent gesehen, jedoch habe ich mich auf Anraten unserer Gastgeberin dagegen entschieden (die Wartezeiten gerade zu Ostern sind enorm). Daher besuche ich mit den Kindern den kleineren, aber auch entspannteren Jardin Secret am Rande der Altstadt.

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Da wir aufgrund unserer Rundreise schon genug Programm hatten, haben wir uns für die letzten Tage wirklich gar nichts vorgenommen und somit kann ich euch nun auch gar keine richtigen City-Highlights nennen. Ich kann euch nur raten, traut euch auch in Gassen, in denen keine Touristen unterwegs sind und traut euch vor allem auch an Garküchen, in denen nur Einheimische essen. Natürlich ist der Hygiene-Standart ein anderer, jedoch wird aufgrund der fehlenden Kühlmöglichkeiten immer alles frisch zubereitet und wir hatten nicht ein einziges Mal auch nur Magengrummeln.

Die Menschen in Marokko sind superfreundlich, besonders Kinder lieben sie. Nicht einmal fühlten wir uns unsicher, bedroht oder in Gefahr (und wir sind auch abends im Dunkeln durch kleine Gassen gewandert). Ebenso wenig wurde ich als Frau angemacht – ich bin jedoch auch nicht mit kurzen Klamotten umhergelaufen und habe fast immer ein Kopftuch locker umgebunden gehabt (besonders außerhalb der Stadt). Nicht für die Männer, sondern aus Respekt vor den Frauen, die dort nicht immer die Wahl haben und auch aus Überzeugung Tuch tragen. Wer anderen Menschen und Religionen mit Respekt begegnet, dem wird im Gegenzug auch Respekt entgegen gebracht – so zumindest meine Meinung und meine Erfahrung.

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Bezüglich der Verständigung ist es übrigens definitiv von Vorteil, wenn ihr Französisch sprecht. Englisch können die Wenigstens (auf dem Land so gut wie niemand), aber alle sprechen Französisch.

Als Restaurant-Empfehlung können wir noch das Restaurant Un Déjeuner à Marrakech hervorheben – auf der Panorama-Dachterrasse sitzt man gerade Abends fantastisch und auch das Essen ist sehr gut. Ebenfalls ein Highlight für Seifen-Fans ist der kleine, etwas versteckte Laden L´Art du Bain (ich mußte mehrmals nachfragen, bis ich das Lädchen endlich gefunden hatte) – dort gibt es tolle handgemachte Seifen, die zwar teuer sind aber betörend gut riechen. Ebenfalls angesagt unter hippen Jugendlichen aus Marrakech ist die Boutique Warda la Mouche – hier werden orientalische Stoffe und Muster mit aktuellen Designs kombiniert. Diese drei Läden sind mir besonders in Erinnerung geblieben, jedoch bin ich ein Fan von Einfach-Treibenlassen und dort hineingehen, wo es  euch gefällt ♥

Wir können euch nur raten: Traut euch! Fahrt nach Marokko! Und bleibt nicht nur in Marrakech – denn im Vergleich zum Rest des Landes hat uns diese Stadt eher enttäuscht. Wer Land und Leute wirklich kennenlernen will, sollte raus aus dem Gewohnten und raus aus der Komfort-Zone – ihr werdet definitiv nicht enttäuscht! ♥

 

 

 

 


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