Kreta – ein Roadtrip mit Kindern über Griechenlands größte Insel

Ach ja…was soll ich sagen…Corona hat uns alle 2020 ziemlich auf Trab gehalten und neben allem auch die Tourismusbranche und alle Dauer-Fernweh-Haber hart getroffen. Viele von euch – inklusive uns – haben Urlaube geplant, verworfen, storniert, Reisegutscheine bekommen…und das nicht nur einmal…

Zu Beginn des 1. Lockdowns wären wir eigentlich nach Griechenland zum Insel-Hopping gestartet – Flüge, Unterkünfte, Fähren, alles gebucht und schon bezahlt…glücklicherweise konnten wir unsere Flüge einfach auf einen späteren Zeitraum und eine andere Destination umbuchen…so planten wir Mallorca für die Herbstferien…doch kurz vor Ferienbeginn ging der Lockdown in Spanien in die nächste Runde und die Zahlen auf den Balearen stiegen immer weiter an. Nun standen wir also vor der Entscheidung: wir stornieren ein weiteres Mal und bleiben daheim. Oder aber wir schauen uns genau die Entwicklungen in Europa an und suchen eine Destination, die uns trotz Corona, einen schönen Familien-Urlaub versprechen würde.

Gesagt, getan! Ein paar Tage Planung später stand fest: wir fliegen nach Griechenland – genau genommen nach Kreta! Dort waren so gut wie keine Fälle bekannt (bei unserer Ankunft genau 3!), das Wetter ist auch im Oktober noch verlockend und die Insel ist groß und vielseitig genug, um in 14 Tagen Ferien durchaus mehr als ein Abenteuer zu erleben.

Ihr wisst, ich bin ein Fan von Roadtrips – nur am Strand rumliegen ist überhaupt nichts für mich und sehr zum Leidwesen meines Mannes bin ich auch im Urlaub immer unterwegs und möchte Land & Leute kennenlernen (wobei ich jetzt hier lobend anmerken muß, dass Andi sich mit seinem „Schicksal“ mittlerweile angefreundet hat und am Ende diesen Urlaubs tatsächlich sagen wird, dass er langsam auch ein Freund von Roadtrips wird – sofern nicht jeden Tag die Unterkunft gewechselt werden muß ;).

Für Kreta haben wir uns – damit die Fahrerei im Rahmen bleibt – für die Nord-West und Süd(West) Seite entschieden – mit 5 Unterkünften.

Wir fliegen von Köln mit Eurowings nach Heraklion (der Inselhauptstadt), nehmen dort unseren Mietwagen von Tourent (Preis-Leistungssieger bei Mietwagen Check24) in Empfang und machen uns auf den Weg zu unserem 1. Ziel (Distanz Flughafen – Hotel 82 km, ca 1 ¼ h Fahrt).

Das Atermono Boutique Resort wenige Kilometer außerhalb der Stadt Rethymnon ist ein absoluter Traum…#instagramable ist genau das richtige Wort für dieses erst vor kurzem eröffnete Boutique-Hotel direkt am kilometerlangen Sandstrand. Wir haben uns für ein Deluxe Doppelzimmer mit kleinem privaten Pool entschieden – es bietet ausreichend Platz für 4 Personen und gerade für die Kids ist der kleine Mini-Pool eine Attraktion (um spät abends nochmal schnell ins Wasser zu hüpfen). Aber auch der große Pool auf der Dachterrasse ist ein absoluter Traum! Einziger Minus-Punkt ist die Qualität des Essens – aber da wir hier eh nur Frühstück gebucht haben, gehen wir jeden Mittag in eine andere Taverne am Strand und fahren abends zum Essen nach Rethymnon rein.

Überhaupt ist Rethymnon ein wirklich tolles Städtchen mit einer wunderschönen Altstadt…kleine verwinkelte Gässchen, schöne Geschäfte, ein venzianischer Hafen mit vielen Restaurants und der auf einem Hügel tronenden Fortezza (Kretas größte Festung). Unser absolutes Lieblingsrestaurant können wir euch natürlich nicht vorenthalten: Lemonokipos in einem alten Zitronen-Garten gelegen mit wirklich außergewöhnlichem Essen.

Nach 4 Tagen verlassen wir unser Boutique Hotel und fahren nach Westen (heutige Fahrtstrecke 87km, ca. 1 1/4h Fahrt). Da wir uns gerne die überall hochgelobten Strände an der Westküste anschauen wollen, haben wir uns eine strategisch gut gelegene Unterkunft in einem kleinen griechischen Dörfchen ausgesucht.

Das Spilia Village liegt im Dörfchen Spilia und überall verteilt wurden kleinen Häuschen für Urlauber wieder hergerichtet. Wir haben uns – weil wir gerne eine Küche haben wollten und im Vorfeld auch nicht wußten, wieviele Menschen wir am Pool treffen würden – für eine „2 Bedroom Villa with private Pool“ entschieden…ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis, denn uns erwartet eine traumhafte Villa (Villa Irene!!!) mit Blick über das fruchtbare Tal und auf Palmen, ein wirklich toller ruhiger Pool und ein Häuschen, in dem wir uns unglaublich wohl fühlen und das wir am liebsten nie wieder verlassen hätten. Frühstück nehmen wir jeden Morgen im Hauptgebäude, einen Fußmarsch durchs Dorf entfernt, ein – ansonsten verpflegen wir uns selbst und genießen das authentische und wirklich gute Essen der örtlichen Taverne.

Was wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen möchten, ist der berühmte rosa Strand von Elafonissi. Elafonissi ist nicht nur einer der berühmtesten Strände Kretas – er hat es irgendwie auch in die Liste der zehn besten Strände der Welt geschafft. Die Anfahrt durch den gebirgigen Westen, über enge Sträßchen, an deren Rändern überall Ziegen grasen, ist auf jeden Fall beeindruckend.

Der Strand an sich, dessen Sand eine leicht rosa Färbung aufweist, wäre bestimmt atemberaubend, wenn nicht ganze Busladungen (!!!) an Touristen hier auflaufen würden (natürlich müssen auch wir uns an die eigene Nase fassen, denn auch wir sind Touristen). Überall wurde uns von diesem Strand vorgeschwärmt – das wollten wir natürlich mit eigenen Augen sehen. Das Meer ist hier so flach, dass man die kleine vorgelagerte Insel einfach erreicht, indem man durch warmes, flaches und wunderbar türkises Wasser watet.

Aber…und das ist für uns ein großes ABER…wir haben Kreta in den letzten Tagen sehr leer erlebt, alle Tavernen leer, Straßen leer, die normalen Strände leer…und dann kommen scheinbar aus allen großen All Inclusive-Hotelburgen scharenweise Touristen hier an und die Schönheit des Ortes ist komplett zerstört…und unsere Illusion gleich mit. Nach nicht mal 1 Stunde ergreifen wir die Flucht. Jetzt stelle man sich diesen Ort einmal in der Hochsaision und ohne Corona vor, es muss schlichtweg die Hölle sein. So schön der Anblick kurzfristig war, hätten wir es vorher gewusst, wir hätten uns den Ausflug gespart…auf Grund dieser Erfahrung beschließen wir für uns, die anderen berühmten Strände der Gegend (Balos, Gravousa Inseln und Co) nicht zu besuchen!

Nachdem wir nun also vom Strand Reißaus genommen haben, beschließen wir einfach das nur 5km entfernte Kloster Moni Chrysokalitissa zu besuchen, ein kleines, weiß getünchtes, ehemaliges Frauen-Kloster auf einer Klippe mit Blick auf das türkisfarbene Lyrische Meer. Ein Kloster mit einer großen Legende: übersetzt bedeutet der Name „Goldenes Treppchen“. Der Legende nach soll eine der 99 Stufen zum Eingang des Klosters aus gold sein. Die erkennt aber nur der, dessen Herz rein und sündenfrei ist. So angestrengt wir auch alle beim Treppensteigen nach unten schauen, wir entdecken folglich keine goldene Stufe. (Wir entdecken jedoch das sehr gute Fisch Restaurant Kosmos Fish Tavern , um uns zu stärken ;o)

In den nächsten Tagen erkunden wir die Orte rund um Spilia…so landen wir im Mini-Dörfchen Afrata, um dort in der Taverne Tis Lisas Ta Kamomata sehr authentisch und fernab von weiteren Urlaubern zu speisen. In der Nähe gibt es auch einen kleinen Strand, an dem Lola jedoch versehentlich in ein Hornissen-Nest tritt und wir daraufhin von einem ganzen Schwarm Hornissen verfolgt und mehrmals gestochen werden…etwas hysterisch flüchten wir uns ins Auto und fallen, obwohl es Sonntag ist, beim lokalen Dorfarzt ein, der gerade mit seiner Frau am Kochen ist…er bittet uns trotzdem herein, desinfiziert die Stiche und gibt uns Antihistaminika mit…aber was soll ich sagen, kein Urlaub ohne Testen des örtlichen Gesundheitssystems :o).

Ebenfalls erkunden wir das kleinen Örtchen Kissamos, an dem der ausländische Tourismus weitestgehend vorbei gegangen ist und essen dort mit einer Schweizer Familie, mit der wir uns am Hotelpool angefreundet haben, hervorragend zu Abend…die kleine Taverne Maria Beach liegt einen 15 Minuten Spaziergang vom Dorf entfernt, direkt am Strand, der bestimmt auch tagsüber mit seinen Liegen und Strohschirmen zum Verweilen einlädt.

Auch wenn wir unser kleines griechisches Häuschen in Spilia kaum verlassen möchten, ruft schon das nächste Abenteuer – wir wollen auch den Süden/Süd-Westen der Insel erkunden. Wir machen uns auf und durchqueren die Insel einmal von oben nach unten durch das gebirgige Inland. Unser Ziel: eine kleine Taverne mit gerade mal 4 Zimmern, direkt am Meer gelegen, irgendwo im Nirgendwo (72km von Spilia entfernt). Für den Abend habe ich über Airbnb Experiences eigentlich den Besuch eines typisch kretischen Bauernhofes in der Nähe gebucht als Überraschung für die Kids…leider spinnt unser Navi an diesem Nachmittag total und führt uns statt zu der Taverne im Nirgendwo in einen totalen Touri-Ort, der Luftlinie zwar nur 17km entfernt liegt, von der Fahrzeit jedoch nochmal eine Stunde Extrafahrt durch die Serpentinen bedeutet, weswegen wir den gebuchten Bauernhof-Besuch leider absagen müssen. Meinen dezenten Ausraster stellt ihr euch bitte einfach kurz für eure Erheiterung vor…

Aber es nützt ja nichts und irgendwie gewinnen wir der Extrastunde dann doch viel Positives ab, denn die zum Teil unbefestigte Straße führt uns an Ziegen und Schafen vorbei, über riesige Schlaglöcher und sogar über eine Sandstraße direkt am Meer, auf der wir kurz Angst haben, mit unserem untermotorisierten Auto im Sand stecken zu bleiben…ein kleines unverhofftes Mikro-Abenteuer.

Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir in unserer kleinen Taverne an und sind gleich schockverliebt. Die Agia Fotia Taverna ist ein richtiges Kleinod…nur 4 sehr spartanisch eingerichtete Zimmer (von denen wir zwei belegen), jedoch brauchen wir hier auch nicht mehr: Vom Mini-Balkon haben wir den besten Ausblick aufs glasklare Meer, in der Taverne kochen Vater und Sohn köstlichen Fisch für uns und die Sonnenuntergänge sind wirklich ganz besonders hier.

Direkt um die Ecke (nur 10 Minuten Fahrt über eine kleine abenteuerliche Straße) liegt der berühmte Palmenstrand Preveli…nach unserer Erfahrung in Elafonissi sind wir zuerst unschlüssig, ob wir überhaupt dorthin fahren sollen. Wir haben jedoch Glück, denn vormittags hat es geregnet und somit hat sich fast niemand auf den Weg dorthin gemacht: Der Palmenstrand von Preveli ist ein von Palmen gesäumter Sandstrand, am Ausgang der imposanten Kourtaliotikos-Schlucht gelegen, in welcher der Fluss Megas Potamos ins Meer mündet…wir fühlen uns wie in Afrika.

Die Bucht steht unter Naturschutz, jedoch gibt es ein kleines Café welches jedoch geschlossen war bei unserem Besuch. Dafür gibt es fußläufig zwei Tavernen und einen Mini-Supermarkt für Eis und Getränke…ob es wohl langsam den Anschein macht, als hätten wir ständig nur gegessen?!

Leider, leider haben wir für die paradiesische Taverne im Nirgendwo nur zwei Nächte eingeplant – wer hätte gedacht, dass es sich hier so herrlich abschalten läßt. Wir haben zu Beginn des Urlaubs beschlossen, dass wir für die letzten Tage noch einmal ins Atermono Boutique Hotel fahren, wo unsere Reise so vielversprechend begonnen hat. Bevor wir jedoch wieder die Insel durchqueren, machen wir uns auf nach Matala (was dem Umstand geschuldet ist, dass an der Nordküste ein Unwetter tobt und wir den Tag lieber dort verbringen, wo Sonne angesagt ist).

Nach dem griechischen Mythos war Matala der Ort, an dem Zeus in Stiergestalt mit der von ihm entführten phönizischen Prinzessin Europa an Land ging. Er verwandelte sich hier in einen Adler und brachte Europa weiter nach Gortyn. Die meisten kennen Matala jedoch als DAS Hippie-Dorf der 60er und 70er Jahre. Unter den Hippies von Matala, die dort damals die Höhlen am Strand bevölkerten, waren später weltberühmte Musiker wie Bob Dylan, Janis Joplin und Joni Mitchell, die in dem Lied „Carey“ im Jahr 1971 über Matala singt. Das ist dem Songtext mehrmals vorkommende „Mermaid Cafe“ gibt es tatsächlich bis heute noch…ansonsten ist wenig geblieben vom einstigen Hippie-Charme, überall gibt es Souvenirs für die Touristen-Massen zu kaufen und der Ort ist selbst zu Corona-Zeiten maßlos überlaufen. Hätte uns die verlockende Aussicht nach einem Sonnentag nicht hierher geführt (wir wurden nicht enttäuscht!), hätten wir den Ort jedoch nicht auf unserer Liste gehabt.

Abends machen wir uns dann doch auf zurück in den Norden, in dem in der Zwischenzeit scheinbar das schlimmste Unwetter seit langem getobt hat. Da wir uns bei unserem ersten Aufenthalt sehr gut mit Giorgos (dem Bartender) und Cristina (der Rezeptionistin) verstanden haben, kommen wir in den Genuss eines Upgrades und dürfen die nächsten Tage im besten Zimmer des Atermono Boutique Resorts mit Blick aufs Meer verbringen #luckyus.

Damit wir es Samstag nicht weit bis zum Flughafen haben, beschließen wir die letzte Nacht im Ibis City Hotel in Heraklion, der größten Stadt Kretas, zu verbringen. Hier pulsiert das Leben: skatende Jugendliche, eine riesige Fußgängerzone und eine enorme Auswahl an Restaurants/Cafes…mehrere Tage würden wir hier zwar nicht verbringen wollen, aber als letzten Abend vor dem Abflug können wir es absolut empfehlen.

Unser Urlaubs-Fazit in Zahlen:

  • Anzahl Unterkünfte: 5
  • getrunkene Ouzo: 8
  • angebotene Ouzo: 62
  • Regentage: 3x 1/2 Tag
  • Sonnencreme: 1 Flasche LSF30
  • gefütterte Straßenkatzen: 17
  • Arztbesuche: 1
  • gelesene Bücher: 1 1/2
  • Tage ohne Knoblauch: 0
  • Kurven in Serpentinen: 1.245
  • vors Auto gelaufene Ziegen: 3
  • über Atmosfair kompensierte € für den Flug: 87
  • dreckige Wäsche: 4 Trommeln
  • glückliche Kinder: 2
  • glückliche Eltern: 2

Wir haben es zu keinem Zeitraum bereut, in den Flieger gestiegen zu sein, um in diesen herausfordernden Zeiten Abstand zu gewinnen und eine tolle Zeit als Familie zu erleben. Denn ihr wisst ja #makingmemoriesisnotforbidden

Eure Nine


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