Ahoi! Auf dem Hausboot über die Mecklenburgische Seenplatte

ENDE MÄRZ 2020: Corona hat uns alle fest im Griff – der Lockdown hat begonnen! Schulen und Kindergarten wurden geschlossen, der ♥-Mann arbeitet von zu Hause statt täglich frühmorgens ins Büro zu entschwinden und unser bevorstehender Griechenland-Inseltrip mußte storniert werden. Was liegt da also näher als den Sommerurlaub zu planen…ähhhh…na ja, theoretisch liegt nichts weiter entfernt, aber praktisch machen sich folgende Gedanken in meinem Kopf breit: „wer weiß, ob wir im Sommer schon wieder ins Ausland fahren dürfen…mmmhhh, vielleicht wäre Urlaub in Deutschland eine Option…sollte man sich dann aber früh genug drum kümmern, bevor die guten Sachen nachher alle ausgebucht sind…“

Gesagt getan…die Idee Urlaub auf einem fahrenden Hausboot zu machen stand seit unserem (stehenden) Hausboot-Trip nach Holland auf der Wishlist! Und zack, ein paar Stunden Internetrecherche später steht fest: im Juni gehts für uns an die Mecklenburgische Seenplatte! (Dass sowohl der ♥-Mann als auch meine Mutter mich für verrückt erklären, dass ich – während alle anderen panisch ihre Urlaube stornieren – einen Urlaub plane und buche, muß ich wohl nicht erklären…aber was soll ich sagen, ihr kennt mich: Ohne Urlaub, ohne mich!)

JUNI 2020: Tatsächlich öffnet Mecklenburg-Vorpommern Anfang Juni wieder seine (imaginären) Grenzen und der Urlaub kann kommen.

Tag 1 (Samstag) – Fürstenberg an der Havel

Früh morgens (genauer gesagt um 4.30h) steigen wir in Köln ins Auto, um vor dem befürchteten 1. Ferientag-Stau davonzufahren. Natürlich sind wir bereits um 9h vor den Toren Berlins und beschließen, da wir erst nachmittags in Fürstenberg an der Havel das Boot in Empfang nehmen dürfen, noch einen Abstecher in die Hauptstadt zu machen. Erst mittags geht es weiter zum Röblinsee und da steht es: unser supermodernes Hausboot für die kommende Woche.

Die Mecklenburgische Seenplatte ist führerscheinfreies Gebiet und da ich zwar einen Sportführerschein See (= Meer) habe, jedoch keinen für Binnen, reicht eine zweistündige Einweisung (kurze Theorie und Praxis) um einen Charterschein in den Händen zu halten, der mir erlaubt unser 12 Meter Gefährt über Flüsse und Seen zu navigieren.

Nachdem wir alle Einkäufe (Tipp: deckt euch vorher mit allen Lebensmitteln ein, denn Supermärkte sind quasi nicht wirklich vorhanden am Uferrand ;o) und unsere Taschen verstaut haben, springen wir erstmal in den See, um uns abzukühlen! Die erste Nacht verbringen wir in der Marina am Röblinsee – schließlich müssen wir uns erstmal mit allem vertraut machen!

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Tag 2 (Sonntag) – Himmelpfort am Stolpsee

Morgens auf dem Wasser aufzuwachen (egal ob ihr wild ankert oder am Steg liegt) ist immer etwas besonderes. Doch wir wollen nicht allzu lange warten bevor wir endlich losschippern.

Wir sind keine 10 Minuten gefahren, da erwartet uns schon die erste Schleuse…oha, soviele lustige und beängstigende Geschichten haben wir gehört und sind dementsprechend mega nervös als wir langsam in die Schleuse einfahren. Auf unser entschuldigendes „Das ist unsere erste Schleuse“ bekommen wir vom Kapitän hinter uns nur ein „Darf ich ehrlich sein? Das sieht man!“ zu hören…aber wie bei allem gilt auch hier: Übung macht den Meister und schon nach der zweiten Schleuse meistern wir das Schleusen routiniert und jeder weiß, was genau seine Aufgabe ist (selbst Luis darf bzw. muß mit seinen 8 Jahren mithelfen und das Boot in der Schleuse am Seil halten).

Kaum haben wir Fürstenberg hinter uns gelassen, durchfahren wir eine traumhafte Landschaft…wie im Urwald sieht es links und rechts am Flussufer aus, sogar ein Seeadler fliegt über uns hinweg und wir können unser Glück kaum fassen. Für den ersten Tag haben wir uns vorgenommen, es langsam angehen und uns treiben zu lassen. So ankern wir im Stolpsee bei Himmelpfort (testen erstmal die Anker (Wurf- und Pfahlanker) aus), springen ins kühle Nass und fahren nachmittags die kleine Marina Bootshaus Stolpsee an, um hier bis morgen liegen zu bleiben.

So wandern wir durch den kleinen süßen Ort Himmelpfort (in dem sich die Poststelle des Weihnachtsmann befindet, wie sollte es bei diesem Namen auch anders sein) und landen schließlich in der Pizzeria auf dem Campingplatz Himmelpfort…wir sind (bisher) keine Camping-Fans, aber wenn wir welche wären, wäre dieser kleine, charmante und wirklich unglaublich toll gelegene Campingplatz definitiv einer unserer Lieblingsplätze!

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Abends genießen wir – wie nun jeden Abend – einen traumhaften Sonnenuntergang, hören den Grillen zu und tragen – ebenfalls wie nun jeden Abend –  erstmal ein paar Spinnen nach draußen, bevor wir ins Bett fallen. (Wer panische Angst hat vor Spinnen, dem würde ich von einem Hausbooturlaub übrigens eher abraten – denn nahe am Schilf, umgeben von Mücken, sind natürlich auch ziemlich viele Spinnen unterwegs…ein paar kleinere haben wir ihr Netz auch im Boot bauen lassen und hatten erstaunlicherweise gar keine Probleme mit Mücken!).

 

Tag 3 (Montag) – Capriolenhof & Mildenberg

In der Früh holen wir Brötchen am Bäckerwagen und stechen nach dem Frühstück gut gestärkt in See. Heute wollen wir wild ankern und die Nacht auf dem Kleinen Kuhwallsee verbringen – bis dorthin liegen allerdings 4 Schleusen und einige Kilometer Flussverlauf vor uns.

Den ersten Stopp machen wir an der Schleuse Regow – dort genau an der Schleuse liegt der Capriolenhof, eine Ziegenkäserei mit angeschlossenem Bio-Hofladen, in dem man nicht nur ausgezeichneten Ziegenkäse und selbstgemachtes Eis kaufen, sondern auch Ziegen streicheln kann. Mit frischem Käse für die nächsten Tage und einem Eis in der Hand geht es zurück aufs Boot und wir schlängeln uns weiter durch eine atemberaubende Naturlandschaft…immer begleitet von Fischreihern, Eisvögeln und dem ein oder anderen Reh am Waldrand.

Kurz bevor wir am See ankommen entdecken wir, dass unser Batterie-Zeichen durchgestrichen ist. Dabei haben wir in der letzten Nacht extra im Hafen am Landstrom gelegen, damit wir diese Nacht ganz entspannt wild ankern können…etwas beunruhigt rufen wir den Bootvercharterer an, der allerdings auch nicht so wirklich weiß, warum das Zeichen durchgestrichen ist und er rät uns, lieber doch eine Marina mit Stromzugang für die Nacht aufzusuchen…leichter gesagt als getan, mal abgesehen davon, dass wir seit nunmehr 6 Stunden Fahrt endlich halten wollen, hat die nächste Marina weder Platz noch überhaupt eine Stromversorgung….also fahren wir immer weiter und gerade als die Stimmung vollends zu kippen droht, erreichen wir die Marina Alter Hafen in Mildenberg.

Zuerst sind wir ziemlich enttäuscht, da wir a) nicht wild ankern können und b) überhaupt gar nicht so weit die Havel runter fahren wollten. Schnell stellen wir allerdings fest, dass wir ungewollt vor einer alten Ziegelei „gestrandet“ sind. Genau vor dem Hafen befindet sich der Alte Ziegeleipark Mildenberg – einst wurden hier Milliarden von Ziegeln hergestellt und nach Berlin verschifft. Heute können Besucher mit verschiedenen Feldbahnen fahren, die alte Ziegelei besichtigen, auf dem Wasserspielplatz plantschen und jede Menge toller Dinge erleben. Da es an diesem Tag jedoch bereits zu spät ist, beschließen wir nur noch im Biergarten am Hafen Abend zu essen und die Ziegelei am nächsten Tag zu besichtigen.

Tag 4 (Dienstag) – Alte Ziegelei Mildenberg

Nach einem Frühstück an Bord mit frischen Brötchen vom Hafenmeister gehts für uns in den Ziegeleipark. Die Kids sind begeistert und auch wir staunen über dieses spannende Stück deutscher Zeitgeschichte.

Die Freude der Kids wird noch größer, als mittags bekannte Gesichter im Boot neben uns auftauchen – eine Familie aus Paderborn, die wir direkt am ersten Tag kennengelernt haben, hat spontan beschlossen, uns hier Gesellschaft zu leisten…bereits in Himmelpfort haben wir abends gemeinsam am Steg gelegen und die Kinder haben direkt Freundschaft geschlossen.

So verbringen wir den restlichen Tag im Park und gehen abends alle zusammen im Gasthaus Alter Hafen essen.

Tag 5 (Mittwoch) – Capriolenhof & Himmelpfort

Heute müssen wir Kilometer machen und beschließen wieder Richtung Himmelpfort zu fahren. Also geht es zurück über die langsam dahinfließende Havel, schlängeln uns Kurve um Kurve und müssen natürlich an der Schleuse in Regow wieder den Ziegenhof besuchen (für die Kinder gibt es Eis und der ♥-Mann genießt einen Cappuccino mit Ziegenmilch).

Vor jeder Schleuse beim Warten und auch während des Schleusens, kommen wir ins Gespräch mit anderen Bootsreisenden. Alle halten entspannt Pläuschchen, tauschen Informationen aus, helfen sich gegenseitig und es ist umso erstaunlicher, dass – obwohl hier bestimmt nur jeder 3. mit seinem eigenen Boot herumschippert, es bei all den Mietbooten keine Unfälle oder größeren Dramen gibt!

 

Kurz bevor wir den Stolpsee erreichen, entdecken wir in einer Flussbiegung ein großes Seil, von dem zwei Jugendliche über den Fluss schwingen und sich wagemutig ins kühle Nass stürzen… So etwas lassen wir uns natürlich nicht zweimal zeigen, wir wenden unser Boot (mittlerweile fachmännisch auf der Stelle) und machen am Flussufer fest. Nur mit Badesachen und Handtuch verlassen wir das Boot und fragen die zwei Jungs, ob wir denn wohl auch mal ihre „Liane“ benutzen dürften. Natürlich dürfen wir und so schwingen wir bald alle wie Tarzan über den Fluss und haben einen riesigen Spaß – selbst die Kids trauen sich, was zu einem anerkennenden Nicken der beiden Jugendlichen führt :).

Am späten Nachmittag kommen wir wieder am Bootshaus Stolpsee an – da es uns hier in der zweiten Nacht so gut gefallen hat, war schnell klar, dass wir hier heute wieder anlegen.

Tag 6 – über Fürstenberg in den Ziernsee

Morgens fahren wir erstmal zurück nach Fürstenberg zu unserer „Heimatmarina“, denn unsere Reserverkanister neigen sich dem Ende zu (und Tankstellen gibt es hier keine ;o). Doch nachdem der Tank neu befüllt ist, beschließen wir weiter die Steinhavel hochzufahren um endlich die Nacht wild ankernd auf einem See zu verbringen.

So schippern wir also bis zum Ziernsee und suchen uns eine windstille, menschenleere Stelle und werfen beide Anker aus. Ein Traum – die Kids verbringen den Tag im Wasser, füttern Enten, wir lesen und springen abends nach dem Abendessen nochmal alle in der Abenddämmerung ins Wasser…Freiheit pur!

Nachts zieht allerdings ein Gewitter auf und es wird recht windig auf dem See – da wir die beiden Anker jedoch gut festgemacht haben, haben wir nichts zu befürchten und werden in den Schlaf geschaukelt.

Tag 7 – Röblinsee (Fürstenberg)

Morgens aufzuwachen – ganz alleine auf dem See – hat etwas magisches. Kaum aufgewacht hüpfen wir alle erstmal nackig in den See…ich weiß ich wiederhole mich, aber: Freiheit pur!

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Erst gegen Mittag lichten wir die Anker und schippern zurück auf den Röblinsee – denn morgen müssen wir leider das Boot bereits morgens früh abgeben…während wir Eltern schonmal Koffer packen und diese bereits im Auto verstauen, spielen unsere Kinder am Steg.

Den letzten Abend – wie sollte es anders sein – verbringen wir mit unseren neuen Freunden aus Paderborn und gehen gemeinsam in Fürstenberg beim Griechen essen, bevor wir uns nochmal mit Rotwein auf unser Hausboot setzen und wehmütig auf den See hinausschauen.

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Fazit

Uns hat es richtig gut gefallen und wir würden definitiv noch einmal Urlaub aus dem Hausboot machen…zwar würden wir beim nächsten Mal eher auf die großen Seen fahren und viel öfter wild ankern, jedoch war es für unser erstes Bootsabenteuer genau richtig so.

Weder wir noch die Kids haben sich zu irgendeinem Zeitpunkt gelangweilt – aber wir können generell gut Zeit mit uns alleine verbringen und abends haben wir ja dann doch abundzu die Paderborner Familie zum Essen oder auf ein Bierchen getroffen ;o)

Generell gilt beim Bootsfahren: IMMER RUHE BEWAHREN! Ob beim Schleusen, beim Anlegen oder wenn während der Fahrt plötzlich der Motor ausgeht, weil der Tank leer ist und du manövrierunfähig auf der Havel treibst, bis der Tank wieder befüllt ist…Ruhe ist das Zauberwort ;o)

Anbieter

Gerne schreibe ich euch hier verschiedene Bootsanbieter auf, bei denen ihr euch Boote ausleihen könnt (in verschiedenen Preis- und Ausstattungskategorien):

Allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

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