Eine Ode an Cadaqués oder auch: Wie ich zu der Liebe meines Lebens kam!

Cadaqués. Dieser Ort ist so vieles für mich: Sehnsuchtsort, Heimat, Zauberdorf, Sommer meines Lebens, Freiheit, Kindheitserinnerungen, nie enden wollender Sommer, kalte einsame Winter, Tramontana, nach Seesternen tauchen, Cafe con Leche in der Bar Boia trinken…

13.Cadaques zu Wasser

Ich könnte diese Liste ewig so weiterführen. Cadaqués ist seit fast nunmehr 30 Jahren meine große Liebe ♥ (sorry Andi ;o)

Aber fangen wir anders an: Cadaqués ist ein kleines spanisches Fischerdorf am Mittelmeer. Unweit der französischen Grenze gelegen und nur 120 km von Barcelona entfernt. Zu Lebzeiten Schaffensmittelpunkt des Künstlers Salvador Dalí, der sich von der rauen, wilden Natur des Dörfchens verzaubern ließ und uns letztendlich auch in diesen Ort führte (aber dazu später mehr). Nach Cadaqués führt lediglich eine kleine  Serpentinenstraße, die diesen Ort unter anderem davor bewahrte dem Massentourismus zu verfallen. Zu weit abgelegen, zu gefährlich die kurvenreiche Anfahrt über die schmale Straße ohne Leitplanken, keinen Sandstrand, lediglich einige kleine steinige Buchten und raue Felsen und so gut wie keine Hotels.

Viele Künstler und einige Aussteiger und Hippies kamen ins Dorf und ließen sich von der Wildnis, der rauen Schönheit und der Abgeschiedenheit des Ortes verzaubern.

Als mein Vater, der seit über 30 Jahren eine Galerie für Zeitgenössische Kunst hat, mit meiner Mama vor vielen, vielen Jahren nach Cadaques kam (Dalí war schuld), war es Herbst – das damals 1.200 Einwohner Dorf wie leergefegt, nur ein einziges Restaurant am Platz geöffnet, in dem eher improvisiert als wirklich gekocht wurde…irgendetwas scheint meine Eltern damals jedoch gleich begeistert zu haben, denn sie kamen wieder…mit uns. In den Sommerferien darauf…und denen darauf…

Zu Beginn verbrachten wir unsere Urlaube immer im Hotel Misty. Meine Eltern, mein Bruder und ich. Stundenlang spielten wir damals im Pool, ich weiß heute noch, dass wir „Drehbücher“ geschrieben haben und Unter-Wasser-Filme gedreht haben, spielten Monopoly und aßen jeden Tag viel zu viel Eis (weil damals in einigen Eis ein Coupon für Gratis-Eis versteckt war) und waren braun wie nie zuvor.

Ein paar Sommer später kauften meine Eltern eine kleine Wohnung im Dorf. Nun waren wir also wirklich jede Ferien in Cadaqués, selbst für verlängerte Wochenenden setzen wir uns ins Auto und fuhren gen Süden. Irgendwann – ich muß 13 gewesen sein – kam die Langeweile: permanent nur mit dem kleinen Bruder spielen, das war dann doch  irgendwann öde. Deutsche Touristen – nur vereinzelt, Englisch sprechende Spanier – quasi nicht existent! Die Erkenntnis: ich mußte Spanisch lernen, wenn ich mich mit den Einheimischen befreunden möchte. Eine Freundin, selber in jungen Jahren als Hippie nach Cadaqués ausgewandert, empfahl mir eine Lehrerin und von nun an hieß es: jeden Morgen eine Stunde zum Spanischunterricht gehen und nachmittags lernen. Übrigens völlig freiwillig, wer denkt, dass meine Eltern mich in irgendeiner Form dazu gedrängt hätten, der irrt.

Es dauerte nicht lange, da lernte ich die ersten Leute kennen. Die anfänglichen Sprachbarrieren (zuerst war es mehr ein Mischmasch aus Französisch und Spanisch) waren nach 2 Sommern vergessen, ich war im Dorf integriert und wurde nur noch „La Rubia“ (die Blonde) genannt.

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Früher gab es noch 2 Diskotheken im Dorf „El Porron“ und „El Paradis“, die allerdings erst ab 1 Uhr nachts richtig voll wurden – vorher trafen wir uns zuerst in der „Sala de Jocs“ (eine Art Spielhalle) oder in kleinen Bars und fuhren stundenlang mit unseren Rollern und Mopeds durchs Dorf (ohne Helm versteht sich, die gab es hier früher nicht!). Meine Eltern waren recht locker was das abendliche Weggehen anging – wir wurden nicht wirklich streng erzogen, wir durften (fast) alles ausprobieren und da im Dorf an sich ja recht wenig passieren konnte (von ein paar kleineren Mopedstürzen abgesehen), durfte auch ich mit 16 bereits bis 3h Nachts ausgehen. Einziges Problem war, dass der Sommer mit 16 der Sommer meines Lebens war, die neu gewonnene Freiheit, erstes Verliebtsein, Schwärmereien für die spanischen Jungs, Sommernächte mit „Macarena und Co“. So kam es also, dass nachts um 3h immer eine brave Tochter nach Hause kam, im Badezimmer das Wasser laufen ließ und dann im Kinderzimmer verschwand…um bald darauf aus dem Fenster (das zwar Gitterstäbe davor hatte, durch die ein Einbrecher vielleicht nicht rein, eine dünne 16jährige aber durchaus raus klettern konnte) wieder zu entschwinden (um gegen 5 oder 6h morgens wieder heimzuschleichen). Die Heimlichtuerei war allerdings nur von kurzer Dauer, da sich das halbe Dorf natürlich kennt und es keine Geheimnisse gibt :o) Also gab es eine neue Regel: ich durfte so lange wegbleiben wie ich wollte (Zusatz: dadurch dass ich soviele Freiheiten hatte, bin ich selten übers Ziel hinausgeschossen und war relativ vernünftig ;), dafür brachte ich früh morgens immer frisches Baguette mit nach Hause #klassischewinwinsituation.

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Wieder ein paar Jahre später bauten meine Eltern ein Haus in Cadaqués. Die Liebe ist nach wie vor geblieben, einiges hat sich jedoch verändert: so wurde zumindest die Straße etwas verbreitert und Leitplanken gebaut, irgendwann war es selbst in Cadaqués verboten ohne Helm zu fahren (zuerst fuhr man mit allerlei Kopfbedeckungen wie Hüten oder Reitkappen, irgendwann dann nur über den Plaza mit Helm (denn da standen die Polizisten), um sie direkt hinter dem Platz wieder abzunehmen…seit einigen Jahren jedoch gibt es selbst in Cadaqués ein paar Regeln, an die man sich halten muß ;o), die Hotels und Restaurants haben nicht mehr nur im Sommer auf und es gibt coole, hippe Läden und süße Cafés.

Eins ist jedoch nie gegangen: das Understatement! Cadaqués hätte durchaus viel Potential ein Ort der Reichen und Schönen zu werden – die katalanischen Dorfbewohner haben dazu schlichtweg einfach keine Lust. Klar, in den Sommermonaten droht mittlerweile das Dorf aus allen Nähten zu platzen (zumindest tagsüber, wenn die Touristen über den Berg kommen, um einen Kulturtag im schönsten Dorf Kataluniens zu verbringen (dieser Ruf ist übrigens keine Erfindung von mir!!!) – am Liebsten bleiben die Bewohner jedoch unter sich (wir zählen uns übrigens längst zu den Bewohnern ;o), der Bau eines großen Hafens wurde mehrstimmig und eindeutig abgelehnt, es gibt kein einziges Hochhaus und alle neuen Häuser, die gebaut werden, müssen von außen mit Natursteinen verputzt werden, damit der Anblick und die Silhouette des Dorfes vom Meer aus nicht von neuen Häusern gestört wird. Es gibt kein Gepose, obwohl hier wahrlich viele Menschen und Berühmtheiten mit Geld herkommen und hier Häuser haben, man sieht es niemandem an: Esprandrilles, Shorts, Korbtaschen…kein Show-Off, keine Angeberei – Understatement pur!

Ich kann es nicht beschreiben, dieser Ort ist magisch! Sobald ich über den Berg fahre und die Kirche des Dorfes (welche wir übrigens alle als Kette um den Hals tragen) erblicke, breitet sich eine innere Ruhe in mir aus. Das Meer, die Menschen, all die Erinnerungen die ich hier machen durfte, dieses Dorf ist mein absoluter #happyplace!

Dieses Gefühl hat sich mittlerweile auf meine Kinder übertragen – auch sie lieben das Dorf, lieben die Freiheiten, die sie hier haben und ich habe die Hoffnung, dass sie eines Tages – nachdem meine Mädels dort jetzt auch mittlerweile alle Kinder bekommen haben – ebenso in die Dorfgemeinschaft integriert werden, fließend Spanisch und Catalan sprechen, wundervolle Erinnerungen machen, die ein Leben lang halten, und auch hier immer herkommen können, um ihren inneren Frieden zu finden ♥

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2 Gedanken zu “Eine Ode an Cadaqués oder auch: Wie ich zu der Liebe meines Lebens kam!

  1. Hola,

    ich kann es dir zu 100% nachfühlen, ich bin seit genau 20 Jahren fast jede erste Septemberhälfte dort und wenn es nach mir ginge, könnte ich den Rest meines Lebens dort verbringen. Bin gerade am 16. von dort zurück und könnte direkt wieder losfahren. Das dies von Bergheim aus geschehen würde darf ich ja einem kölschen Mädchen eigentlich nicht verraten, oder 😉 ?

    Beste Grüße aus dem Rheinland !

    Thomas

    Gefällt 1 Person

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